Projekt
Fritz Kreisler, ein Wiener Unikat
Unbekannte Werke aus dem Nachlass in der Library of Congress.
Fritz Kreisler hat mich seit meiner Kindheit fasziniert. Seine Biographie habe ich verschlungen, sein Tagebuch Four Weeks in the Trenches — The War Story of a Violinist ist ebenso wie sein berühmter Aufsatz Music and Life ein überaus ehrlicher Zugang zu den Höhen und Tiefen des Lebens eines Musikers. Meine erste CD-Produktion, Sonderpreis des MDR beim Dresdner Violinwettbewerb, nannte ich Caprice Viennois und stellte auf ihr die Kompositionen berühmter Geiger nebeneinander.
„Seine Karriere führte ihn zu den glänzendsten Erfolgen auf allen Kontinenten, ließ ihn durch Jahrzehnte zum erklärten Liebling des Publikums in aller Welt werden, zum Idol einer ganzen Generation von Geigern. Er galt überall als Inbegriff des österreichischen, des Wiener Musikers und Künstlers. Unter jedem Aspekt trug seine Persönlichkeit den Stempel des Außergewöhnlichen. Historisch gesehen gilt Fritz Kreisler als der letzte bedeutende Repräsentant der komponierenden Virtuosen der Romantik, zugleich aber war er einer der Wegbereiter des modernen Geigenspiels des 20. Jahrhunderts. Kreisler wurde hineingeboren in das kulturell immens reiche Wien der Spätromantik, in eine Familie jenes enorm gebildeten, kunstsinnigen, nicht immer wohlhabenden jüdischen Bürgertums, das ein wesentlicher Träger der österreichischen Kultur um die Jahrhundertwende war. Zwei Jahrzehnte hindurch blieb Fritz Kreisler der gefragteste und höchstbezahlte Violinvirtuose der Welt. Seine berühmten, unnachahmlichen kleinen Kompositionen erlebten Rekordauflagen und werden bis heute von allen Geigern geliebt und gespielt. Mit dem durch die beispiellosen Erfolge sich einstellenden Reichtum trat eine für Kreislers Wesen besonders charakteristische Eigenschaft zutage: seine Freude zu helfen; eine in diesem Ausmaß bei Künstlern nie gesehene Hilfsbereitschaft für den Nächsten — für junge, um Anerkennung ringende Virtuosen ebenso wie für verarmte Kollegen, für Opfer von Natur- und Kriegskatastrophen, aber auch ganz allgemein für Waisenkinder und notleidende Bevölkerungsschichten. Unvergessen bleibt seine Hilfe für seine Heimat Österreich, seine Vaterstadt Wien nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg.“
Prof. Michael Frischenschlager, Präsident der Fritz Kreisler Gesellschaft
Bei einer Konzertreise nach Washington besuchte ich die Library of Congress, und der Mitarbeiter war so freundlich, mir den Nachlass des Komponisten zu zeigen. In diesen Boxen befanden sich neben Kreislers Briefen, Aufzeichnungen und bezeichneten Stimmen der von ihm meistgespielten Werke auch einige Skizzen beziehungsweise fertiggestellte Werke, welche es nie in einen Druck geschafft hatten, sondern vom Komponisten selbst nach seinen Konzerten als Zugabe gespielt wurden.
Eine weitere Fritz-Kreisler-Enthusiastin in Wien ist die Pianistin Andrea Linsbauer, mit welcher ich gemeinsam an einem Konzept mit Kreislers unbekannten Werken arbeite. Die CD Fritz Kreislers Erben ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit den Geigenvirtuosen Benjamin Schmid, Ekaterina Frolova, Leonhard Baumgartner und Christian Altenburger.

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