Wiener Musikverein · Saison 2026/27
Jenseits vom tanzenden Wien
Vier Abende des Auner Quartetts im Gläsernen Saal und im Brahms-Saal, in Zusammenarbeit mit dem Alexander Zemlinsky Fonds.
Wien tanzt. Seit dem 19. Jahrhundert prägt der Walzer von Johann Strauss das Bild der Stadt — populär, einflussreich und so übermächtig, dass „ernste“ Komponisten oft nur schwer neben ihm Platz fanden. Doch jenseits dieses tanzenden Wien suchten Generationen von Komponistinnen und Komponisten ihre eigenen Wege. Dieser Zyklus erzählt von ihnen.
Erster Schritt · das 19. Jahrhundert
Von Schubert bis Schönberg suchte die ringende Kunstmusik ihren Platz im Schatten der allgegenwärtigen Tanzkultur. Das klassische Erbe — Schubert, Brahms — und die Moderne der Zweiten Wiener Schule standen stets neben einem Wien, das vor allem tanzen wollte.
Zweiter Schritt · die NS-Zeit
Während die nationalsozialistische Propaganda die scheinbar harmlose Musik von Strauss instrumentalisierte — und dafür sogar die Genealogie des Komponisten fälschte —, wurden fast alle hier gespielten Komponisten vertrieben, verfemt oder in die innere Emigration gedrängt: Zemlinsky, Schönberg und Kreisler in die USA, Wellesz nach England, Dickenson-Auner mit Auftrittsverbot im eigenen Wien.
Dritter Schritt · die Gegenwart
„Jenseits“ meint schließlich das Fortklingen: wie der Walzer die ernsten Komponisten inspirierte und in ihrem Schaffen weiterlebt — nicht als Gegensatz, sondern als schöpferischer Widerhall. Dass diese vertriebene Musik heute wieder im Musikverein erklingt, ist ihre späte Heimkehr.
Zwei Achsen
Alexander Zemlinsky (1871–1942) bildet die musikalische Achse — in jedem der vier Konzerte erklingt ein Werk von ihm. Als Schüler und Freund von Brahms gefördert, Lehrer und Schwager Arnold Schönbergs, Widmungsträger von Alban Bergs Lyrischer Suite, verbindet er alle Generationen dieses Programms; sein Weg aus dem Wien des Fin de siècle bis ins amerikanische Exil, wo er 1942 vergessen starb, verkörpert das Schicksal einer ganzen Musikkultur.
Mary Dickenson-Auner (1880–1965), Geigerin, Komponistin und Namensgeberin des Quartetts, bildet die dramaturgische Mitte — den Knoten, an dem sich das Netz dieser Wiener Musikgeschichte aufspannt. Fast alle ihre Streichquartette liegen nur handschriftlich vor und werden derzeit von Dr. Dima Khierbeck digitalisiert; für Herbst 2026 plant das Quartett eine CD-Produktion mit diesen Werken. An der Royal Academy of Music in London arbeitet die Geigerin Erin Hennessey an einer Dissertation über ihre Kammermusik. Die Übersiedelung ihres Nachlasses an das Exilarte Zentrum der mdw koordiniert Gerold Gruber.

„Was für ein kühnes, spannendes Projekt, in dem das bekannte Auner Quartett — wieder einmal — Neues erkunden und einen großen Bogen jenseits bekannter Wiener Klischees spannen will. […] Die Wiederentdeckung einer zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Komponistin und bedeutenden Persönlichkeit des Wiener Musiklebens, Mary Dickenson-Auner. Und das im Musikverein. Dem Ort, der sich von Anfang an Entdeckungen und Wiederentdeckungen wichtiger Werke zur Aufgabe gemacht hat.“Peter Marboe, Vorsitzender des Alexander Zemlinsky Fonds bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien
Die vier Konzerte
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Gläserner Saal · 20.00
25. November 2026
Irene Suchy liest aus Mein Musikleben von Mary Dickenson-Auner
- Franz Schubert — Quartettsatz c-moll D 703
- Mary Dickenson-Auner — Streichquartett Nr. 4
- Johannes Brahms — Ungarische Tänze Nr. 5 und 6
- Alexander Zemlinsky — Streichquartett Nr. 1 A-Dur op. 4
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Gläserner Saal · 20.00
17. Februar 2027
Wolfgang Böck liest Gedanken zu Arthur Schnitzlers Leutnant Gustl, formuliert von Manfred Stimmler
- Anton von Webern — Langsamer Satz
- Johann Strauss — Kaiserwalzer op. 437 (arr. Auner Quartett)
- Alexander Zemlinsky — Streichquartett e-moll (1893)
- Alban Berg — Lyrische Suite für Streichquartett
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Brahms-Saal · 19.30
17. März 2027
Thomas Hampson, Bariton
- Hugo Wolf — Italienische Serenade
- Arnold Schönberg — Streichquartett op. posth. D-Dur
- Alexander Zemlinsky u. a. — Bouquet von Liedern für Bariton und Streichquartett (arr. Dima Khierbeck)
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Gläserner Saal · 20.00
22. Mai 2027
Christoph Wagner-Trenkwitz erzählt über Fritz Kreislers Wien
- Johann Strauss — Frühlingsstimmen-Walzer op. 410 (arr. Daniel Auner)
- Egon Wellesz — Streichquartett Nr. 5
- Alexander Zemlinsky — Zwei Sätze für Streichquartett
- Fritz Kreisler — Streichquartett a-moll „Bekenntnis zu Wien“
Karten und Details beim Wiener Musikverein · musikverein.at
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