Schwerpunkt
Mary Dickenson-Auner
Wien 1880–1965. Geigerin, Komponistin und Pädagogin — und Namensgeberin des Auner Quartetts.
Mary Frances Dickenson wurde am 24. Oktober 1880 in Dublin geboren und starb am 25. Mai 1965 in Wien. Sie entstammte der irischen Familie MacDonnell; ihr Großvater Sir Hercules MacDonnell war Rektor der Universität Dublin und Mitbegründer der Royal Irish Academy of Music.
Nach dem Tod des Vaters 1883 wuchs sie in Wiesbaden und ab 1888 in Düsseldorf auf, wo sie den ersten Violinunterricht erhielt. 1897 wurde sie Schülerin von Samuel Coleridge-Taylor in Croydon; zurück in Dublin arbeitete sie als Assistentin von Guido Papini an der Royal Irish Academy of Music. 1899 nahm sie das Studium an der Royal Academy of Music in London auf, das sie 1902 im Hauptfach Violine bei Émile Sauret abschloss; anschließend studierte sie bei Otakar Ševčík in Prag.
1905 debütierte sie unter Oskar Nedbal mit der Tschechischen Philharmonie in Lalos Symphonie espagnole. Es folgte eine Konzerttätigkeit, die sie nach Dublin, London, Düsseldorf, Berlin und Wien führte; zu ihrem Repertoire zählten die Violinkonzerte von Bruch und Beethoven sowie Bruchs Schottische Fantasie.
Wien und die Moderne
1909 ließ sie sich in Wien nieder. 1912 heiratete sie den Diplomaten und Archivar Michael Auner und zog mit ihm nach Hermannstadt in Siebenbürgen; 1917 floh die Familie über Wien in die Niederlande, 1920 kehrte sie nach Wien zurück.
In den 1920er Jahren stand sie in engem Kontakt mit der musikalischen Moderne. 1922 spielte sie mit Eduard Steuermann die österreichische Erstaufführung der ersten Violinsonate op. 21 von Béla Bartók und stellte das Werk im selben Jahr gemeinsam mit Bartók in Salzburg vor. Sie war Mitglied in Arnold Schönbergs Verein für musikalische Privataufführungen und konzertierte unter seiner Leitung.
Musikpädagogik
Ab 1925 entwickelte sie im Rahmen der Wiener Schulreform die „Hörstunden“, in denen Kinder in den Volksschulen an klassische Musik herangeführt wurden. Das Projekt wurde bis 1938 auf etwa siebzehn Schulen ausgeweitet.
Spätwerk
1938 erhielt Dickenson-Auner als britische Staatsbürgerin ein Auftritts- und Unterrichtsverbot. In den folgenden Jahren verlagerte sich ihre Arbeit auf das Komponieren. Es entstanden Streichquartette, mehrere Symphonien, Solokonzerte, Opern und zwei Oratorien. Ihre Tonsprache verbindet eine an Bach orientierte Polyphonie mit Anregungen der Schönberg-Schule und einem harmonischen Denken, das über den Dreiklang hinausgeht; wiederholt griff sie auf irische Volksmelodik zurück. Mehrere ihrer Werke wurden nach 1945 vom Wiener Rundfunk gesendet. Ihr Nachlass befindet sich an der mdw — Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.
Das Konzert für Violine und Orchester, 1942
Das autographe Titelblatt trägt die eigenhändige Datierung „Nov.–Dez. 1942“ sowie die Signatur der Komponistin; das Werk entstand in Wien. Eine orchestrale Aufführung ist nicht belegt.
- Spieldauer etwa 20 Minuten
- Satzfolge I. Allegro non troppo — Kadenz: Tempo moderato · II. Poco Adagio · III. Rondo: Allegro vivace
- Besetzung Solovioline · 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten in B, 2 Fagotte, 4 Hörner in F, 2 Trompeten in F, Posaunen und Tuba, Pauken, Streicher
- Aufführungsstand Uraufführung ausständig
- Aufführungsmaterial Die autographe Partitur wird derzeit digitalisiert; Partitur und Orchesterstimmen liegen in Kürze vor
In ihrer 1963 niedergeschriebenen autobiografischen Schrift Mein Musikleben ordnet die Komponistin das Konzert ihrem Spätwerk zu und merkt an, sie habe es nur mit Klavierbegleitung und nie mit Orchester gehört. Das Werkverzeichnis des Sophie-Drinker-Instituts führt es als „2. Konzert für Violine und Orchester“ unter dem Jahr 1942 und ohne Opuszahl; die Bezeichnung verweist auf ein früheres, 1914 entstandenes Violinkonzert.
Daniel Auner, ein Großneffe der Komponistin, hat das Konzert aus der Handschrift entziffert und einstudiert.
Für Orchester und künstlerische Leitungen
Daniel Auner stellt das Werk auf Wunsch persönlich vor — gemeinsam mit einer Pianistin, in der von der Komponistin selbst angefertigten Fassung für Violine und Klavier. Eine solche Vorstellung kann unmittelbar für Dirigentinnen und Dirigenten oder für die künstlerische Leitung eines Orchesters arrangiert werden.
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Die autobiografische Schrift Mein Musikleben ist auf der Website des Auner Quartetts vollständig zugänglich: aunerquartett.at/mein-musikleben. Dort findet sich auch die ausführliche Biografie der Komponistin.
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