Kammermusik
Auner Quartett
„Es musste wohl wieder ein wirklich Wiener Quartett sein, welches sich mit der Musik dieser Stadt vom Anfang des 20. Jahrhunderts mit notwendiger Qualität und Enthusiasmus auseinandersetzt …“
Günter Pichler, Alban Berg Quartett
Auner Quartett
Benannt nach der Urgroßtante des ersten Geigers, der Wiener Geigerin und Komponistin Mary Dickenson-Auner, und gegründet 2013, hat sich das Auner Quartett als eines der profiliertesten Ensembles seiner Generation in der internationalen Kammermusikszene etabliert.
Das Ensemble gewann unter anderem den renommierten Eugène-Ysaÿe-Wettbewerb in Liège. Als erstes österreichisches Ensemble zierte es mit dem Titelzitat „Auner Quartett — The award-winning string quartet: a perfect musical match“ das Cover des Performing Arts Yearbook of Europe. In der Saison 2020/21 wurde es von einer Fachkommission des Außenministeriums zum Kulturbotschafter Österreichs ernannt, im Rahmen des Förderprogramms New Austrian Sound of Music, und konzertiert seither regelmäßig in Kulturforen und Botschaften rund um den Globus.
Kritiker heben immer wieder die stilistische Souveränität und emotionale Ausdruckskraft des Ensembles hervor; für alle vier Musiker sei die Kammermusik „die Essenz des Musikalischen“ (Radio Ö1).
Zyklus in der Wiener Hofburg
Angelehnt an die historische Wiener Salonkultur initiierten die vier Musiker 2021 einen eigenen Kammermusikzyklus in Zusammenarbeit mit der Wiener Hofmusikkapelle in der Wiener Hofburg. In dieser Konzertreihe — realisiert mit Radio Klassik — führt Primarius Daniel Auner mit persönlichen Moderationen durch das Programm. Die Werke werden dem Publikum nicht nur präsentiert, sondern mit Hintergrundinformationen und Anekdoten erlebbar gemacht.
Das Quartett erforscht dabei vernachlässigte Juwelen des Repertoires und legt besonders in der Wiener Klassik Wert auf eine nuancenreiche, rhetorisch geprägte Klangsprache. Ein zusätzlicher Schwerpunkt liegt auf der Musik von Komponistinnen wie Mary Auner und ihrem Freundeskreis um Arnold Schönberg, Alban Berg, Béla Bartók, Max Bruch und Paul Hindemith, sowie auf Neuer Musik, oftmals im Auftrag des Quartetts komponiert.
Ausbildung
Das Auner Quartett studierte an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien unter anderem bei Johannes Meissl (Artis Quartett) und ist ausgewähltes Ensemble der European Chamber Music Academy, wodurch es sein Repertoire an mehreren europäischen Musikuniversitäten erarbeitete. Künstlerische Impulse erhielten die vier zudem in Meisterkursen bei Hatto Beyerle und Günter Pichler (Alban Berg Quartett), Petr Prause (Talich Quartett), Alasdair Tait (Belcea Quartet), Patrick Jüdt sowie Mitgliedern des St. Lawrence String Quartet.
Die Mitglieder stammen aus Österreich, Rumänien, Brasilien und Weißrussland — verschiedene kulturelle Wurzeln, die sich in einer gemeinsamen musikalischen Sprache mit Wiener Prägung vereinen.
Konzerttätigkeit
Das Quartett tritt regelmäßig in bedeutenden Sälen seiner Heimatstadt auf — im Brahms-Saal des Wiener Musikvereins, im Mozart-Saal des Konzerthauses, im Arnold-Schönberg-Center, im Barocksaal des Wiener Rathauses und im Ehrbar-Saal. Konzertreisen führten die Musiker zum Allegro Vivo Festival, zum Richard-Strauss-Festival in Garmisch-Partenkirchen, zur Schubertiade Sion, zum Ravenna Festival und zum Festival Internazionale di Quartetto in Fiesole. Weitere Auftritte — von Berlin bis Brasilien, von Kuwait bis Kolumbien — unterstreichen die weltweite Konzerttätigkeit.
Vermittlung und Verantwortung
Als engagierte Musikvermittler sucht das Quartett den Kontakt mit der jungen Generation. Im Rahmen der von Lars Vogt gegründeten Initiative Rhapsody in School gastiert es regelmäßig in Schulklassen. Mit Benefizkonzerten — etwa zugunsten von Apotheker ohne Grenzen oder der Diakonie Flüchtlingshilfe — sowie mit Workshops für Jugendorchester im Ausland übernimmt das Ensemble gesellschaftliche Verantwortung. Solche Projekte, teils in Zusammenarbeit mit dem Außenministerium, führten die Musiker nach Peru, Brasilien, Mexiko, Belize und Südafrika.
Aufnahmen
Die CD mit Klarinettenquintetten von Mozart, Reger und Leitner (Gramola 2018, mit Simon Reitmaier) erhielt hervorragende Kritiken; das Porträtalbum der österreichischen Komponistin Johanna Doderer (Capriccio 2019) dokumentierte die Vielseitigkeit des Quartetts. 2021 erschien Versinkende Sonne: Die im Auftrag der Oesterreichischen Nationalbank aufgenommene Einspielung der Streichquartette von Egon Wellesz, Alexander von Zemlinsky und Anton Webern wurde zur Ö1-CD des Jahres 2022 gekürt. Eine neue CD Jenseits vom tanzenden Wien erscheint 2026 mit Streichquartetten von Schönberg, Kreisler, Korngold und Strauss.
Unterstützt wird das Auner Quartett seit seiner Gründung von der Wiener Saitenmanufaktur Thomastik-Infeld sowie seit 2025 von der Kleidermanufaktur Habsburg.
Eigene Ausgaben
Drei Bearbeitungen für Streichquartett sind bei der Universal Edition Wien erschienen: Josef Strauß’ Polka mazur Brennende Liebe op. 129 sowie die Walzer Frühlingsstimmen op. 410 und An der schönen blauen Donau op. 314 von Johann Strauß. Sie entstanden für die Konzerte des Quartetts und sind dort erprobt.


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