Fritz Kreisler, ein Wiener Unikat


Fritz Kreisler, der weltweit bekannteste Wiener Geiger und Komponist des 20. Jahrhunderts, hatte eine beeindruckende Lebensgeschichte. Die Wiener Fritz Kreisler Gesellschaft, welche im Jahr 2022 den 10. Fritz Kreisler Wettbewerb in Wien austrägt, wird vom ehemaligen Rektor der Wiener Musikuniversität und berühmten Violinpädagogen C.V. DDr. h.c. Michael Frischenschlager geleitet. Durch einen Jury-Kontakt bei der CIMA, Central International Music Academy, wurde Daniel Auner von Prof. Frischenschlager eingeladen der Gesellschaft als junger Berater beizustehen und hilft nun bei der Organisation des nächsten Wettbewerbs 2022.

"Fritz Kreisler hat mich seit meiner Kindheit fasziniert. Seine Biographie habe ich verschlungen, sein Tagebuch "Four Weeks in the Trenches - The War Story of a Violinist" ist ebenso wie sein berühmter Aufsatz "Music and Life" ein überaus ehrlicher Zugang zu den Höhen und Tiefen des Lebens eines Musikers. Meine erste CD-Produktion, Sonderpreis des MDR beim Dresdner Violinwettbewerb, nannte ich "Caprice Viennois" und stellte auf ihr die Kompositionen berühmter Geiger nebeneinander."

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Mit 10 Jahren absolvierte er das Wiener Konservatorium als Schüler Hellmesbergers und Bruckners; als Zwölfjähriger gewann er nach zwei Studienjahren bei Massart und Delibes den Premier Prix des Pariser Conservatoire. Seine Karriere führte ihn zu den glänzendsten Erfolgen auf allen Kontinenten, ließ ihn durch Jahrzehnte zum erklärten Liebling des Publikums in aller Welt werden, zum Idol einer ganzen Generation von Geigern. Er galt überall als Inbegriff des österreichischen, des Wiener Musikers und Künstlers.

Unter jedem Aspekt trug seine Persönlichkeit den Stempel des Außergewöhnlichen. Historisch gesehen gilt Fritz Kreisler als der letzte bedeutende Repräsentant der komponierenden Virtuosen der Romantik, zugleich aber war er einer der Wegbereiter des 
modernen Geigenspiels des 20. Jahrhunderts. Kreisler wurde hineingeboren in das kulturell immens reiche Wien der Spätromantik, 
in eine Familie jenes enorm gebildeten, kunstsinnigen, nicht immer wohlhabenden jüdischen Bürgertums, das ein wesentlicher Träger der österreichischen Kultur um die Jahrhundertwende war. Zwei Jahrzehnte hindurch blieb Fritz Kreisler der gefragteste und höchstbezahlte 
Violinvirtuose der Welt. Seine berühmten, unnachahmlichen kleinen Kompositionen erlebten Rekordauflagen und werden bis heute von allen Geigern geliebt und gespielt. Mit dem durch die bespiellosen Erfolge sich einstellenden Reichtum trat eine für Kreislers 
Wesen besonders charakteristische Eigenschaft zutage: seine Freude zu helfen; eine in diesem Ausmaß bei Künstlern nie gesehene Hilfsbereitschaft für den Nächsten – für junge, um Anerkennung ringende Virtuosen ebenso wie für verarmte Kollegen, für Opfer 
von Natur- und Kriegskatastrophen, aber auch ganz allgemein für Waisenkinder und notleidende Bevölkerungsschichten. Unvergessen bleibt seine Hilfe für seine Heimat Österreich, seine Vaterstadt Wien nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg.
Heute, zwei Generationen nach dem Ende dieses außergewöhnlichen Künstlerlebens, faszinieren vor allem drei Merkmale: die fabelhafte musikalische Begabung: Kreislers hinreißendes, durch apollinische Leichtigkeit, tiefen Empfindungsreichtum und sprühende 
Mitteilungsfähigkeit gekennzeichnetes Musikertum, und zwar sowohl des Virtuosen als auch des Komponisten. Sein Charakter von seltener Harmonie schwebte zwischen heiterer Güte und unbeirrbarer Konsequenz, zwischen höchster künstlerischer Sensibilität und stoischer Gelassenheit, zwischen romantischer Verträumtheit und hellwacher Aufnahmebereitschaft gegenüber allen Phänomenen des Lebens. Und als Drittes schließlich ein unübersehbarer, treuer Glücksstern, der über Kreislers Leben zu stehen schien und der fast immer alles Dunkle auch in schweren Zeiten von ihm fernhielt.

Prof. Michael Frischenschlager, Präsident der Fritz Kreisler Gesellschaft

Fritz Kreislers Unbekannte Werke


"Bei einer Konzertreise nach Washington besuchte ich die Library of Congress, und der Mitarbeiter war so freundlich mit den Nachlass des Komponisten zu zeigen. In diesen Boxen befanden sich neben Kreislers Briefe, Aufzeichnungen, bezeichnete Stimmen der von am meist gespielten Werke auch einige Skizzen bzw. fertiggestellte Werke, welche es nie in einen Druck geschafft hatten sondern vom Komponisten selbst nach seinen Konzert als Zugabe gespielt wurden.

Eine weitere Fritz Kreisler-Enthusiastin in Wien ist die Pianistin Andrea Linsbauer, mit welcher ich nun gemeinsam an einem Konzept mit Kreislers unbekannten Werken arbeite. Eine CD mit dem Titel "Fritz Kreislers Erben" wird im Sommer 2022 aufgenommen.